„Geiler Job, Alter!“ das ist das Kompliment, über das sich Heiner Olberding alias DJ Ohrwurm am meisten freut. Denn mit seinen 55 Jahren traut ihm gerade die jüngere Generation nicht unbedingt zu, dass er ihre Party zum Kochen bringt.Aber das kriegt er hin.Immer.
40 Jahre DJ – Heiner, wie hat das eigentlich alles angefangen? Ich war früher, wie viele junge Leute meiner Generation, oft und gerne im Gulfhaus, um Musik zu hören. Das machte man ja damals noch gemeinsam. Man freute sich tierisch darauf, die neue LP des eigenen oder des Lieblingskünstlers eines Freundes zum ersten Mal in voller Länge durchzuhören. Am besten anständig laut auf einer fetten Anlage. Besonders schön war das, wenn dazu eine Lichtorgel lief. So ein Teil bestand in den frühenSiebzigern aus genau 3 Lampen: rot, blau und grün, und die bewegten sich irgendwie im Rhythmus der Musik. Ich hatte sowas selbst gebaut, und als das Gulfhaus für den Jugendtanz jemanden suchte, der eine Lichtorgel und ein paar Schallplatten besaß, kam ich auf den Trecker. Jugendtanz? Und Trecker? Mit dem Jugendschutzgesetzt war das alles noch strenger damals. Und damit Jugendliche ab 14 Jahre auch mal tanzen gehen konnten, bot das Gulfhaus ab 1976 sonntagsnachmittags einen Jugendtanz an. 50Pfennig Eintritt und kommerzielle laute Musik, das war das ganze Konzept. Und megaerfolgreich. Der Clou: Mischpult und Plattenspieler waren in einen Trecker eingebaut, der mitten im Gulfhaus stand – das hatte sonst niemand.
Um erfolgreich zu sein, musstest Dich Du ja musikalisch gut auskennen! Die Musik hatte für viele Jugendliche in den Siebzigern einen ganz anderen Stellenwert als heute – wenn ein neuer Song von zum Beispiel Queen angekündigt wurde, dann fieberte man manchmal wochenlang darauf, den zum ersten Mal im Radio zu hören. Oder darauf, dass die Schallplatte endlich auch in Vechta erhältlich war. Download war damals nicht… Ich habe also ständig Musik im Radio gehört, mich abends mit Freunden zum Musikhören getroffen und früh auch mein Hobby zum Beruf gemacht – als Lehrling im Hifi-Stereo-Shop in Vechta, später Ton und Technik. So hatte ich Gelegenheit, alles Mögliche zu hören. Denn damals, das können sich junge Leute heute gar nicht mehr vorstellen, ging man in ein Schallplattengeschäft und hörte sich per Kopfhörer eine neue Single oder LP an, um sie dann, wenn sie gefiel, zu kaufen. Oder auch nicht...
Bist Du der Musik auch nach Deiner Lehre beruflich treu geblieben? Na klar, alles andere war für mich undenkbar. Durch einen Zufall kam ich in den 80ern zu Sony Music und machte da etwas, das ganz neu war und sich Telefonmarketing nannte: ich verkaufte Schallplatten von Sony-Künstlern per Telefon an Plattenläden. Das lief damals großartig, die Anrufe wurden von den Kunden geradezu erwartet, und es wurde bestellt ohne Ende. Gute Kunden bekamen auch schon mal hochwertige Giveaways – ich erinnere mich daran, dass Sony eine Lederjacke mit Michael Jackson drauf verschenkt hat, als das berühmte Album „Bad“ erschien. Ich habe bei Sony natürlich auch immer die neueste Musik gehört, und das hat meine Repertoirekenntnis nach und nach erweitert. Ebenso wie die Erfahrungen bei Feiern und auf Festen, bei denen ich arbeitete. Sehr schnell wusste ich, welche Songs man haben musste. Und zu welcher Uhrzeit man sie bei welcher Feier spielen konnte. „Hells Bells“ geht eben nicht immerund überall, genau wie der „Schneewalzer“…
Du hast aber auch selbst am Erstellen von Kopplungen, heute sagt man Sampler, mitgewirkt? Ja, und ich habe sogar eine Goldene Schallplatte bekommen, die bei mir im Wohnzimmer hängt. Für mein Mitwirken am vielleicht erfolgreichsten Sampler-Konzept aller Zeiten – an „Bravo Kuschelrock“. Danach wechselte ich nach Diepholz zur Deutschen Austrophon, bekannt auch als DA Musik, bis ich mich Mitte der 90er selbständig gemacht habe.Selbständig als DJ? Als DJ habe ich immer weiter gearbeitet, das macht mir bis heute einen Riesenspaß. Ich bin seit den 70ern fast jedes Wochenende unterwegs, und nicht wenige Kunden halten mir schon lange die Treue: So mache ich seit 1998 bei allen Abtanzbällen der Tanzschule Sandmann Musik. Selbständig habe ich dann Ende der 90er weiter Sampler konzipiert und vertrieben, ab 1998 auch über ein eigenes Label mit Namen CHANCE MUSIC. Zudem habe ich im Vorstand des Bundesverbandes der Discjockeys BVD mitgearbeitet. Im Jahr 2000 bin ich dann eine Kooperation mit dem ZDF eingegangen und habe mit Uwe Hübner, der damals die legendäre ZDF-Hitparade moderierte, zusammengearbeitet, und und und…
Du bist ja auch auf dem Vechtaer Stoppelmarkt aktiv - wie ist denn Dein Verhältnis zu unserem schönsten Volksfest? Wie das zu meiner Frau – sehr intim! (lacht!) Allerdings sind Stoppelmarkt und ich schon länger ein Paar… 1979 habe ich das erste Mal Musik auf dem Stoppelmarkt gemacht. Damals hatte das Gulfhaus ein eigenes großes Zelt auf dem Markt, direkt an der Bahn. Dort wurde echte Rockmusik vom Plattenteller gespielt, gelegentlich traten auch Bands live auf. Damals gab es auf dem Stoppelmarkt noch keine musikalische Sperrstunde, da wurde bis 5 Uhr voll aufgedreht. Ich – und auch einige andere, die daranheute bestimmt nicht öffentlich erinnert werden wollen – habe da so manches Mal in nicht allzu gutem Zustand im Morgengrauen unter der Bühne geschlafen. Bis um 8, dann kam immer mit lautem Getöse der Haake-Beck-Fahrer…Gibt es etwas aus Deiner Zeit als DJ, auf das Du besonders stolz bist? An die Zeit auf dem Trecker im Gulfhaus denke ich schon besonderes gern zurück. Und auch daran, wie verdutzt die Gäste geschaut haben, als ich anfing, Musik vom Laptop zu machen – ich war nämlich der erste DJ weit und breit, der mit mp3-files gearbeitet hat. Und heute sind die Gäste immer wieder verblüfft, wenn ich neue und alte Songs als Video präsentiere – einige Tausend habe ich bereits. Wichtig ist, dass Du Deinen Job mit Leidenschaft machst: das merken Gastgeber und Gäste, das gefällt.

Und hast Du schon eine Idee, wie lange Du noch als DJ weitermachen willst? Wie alt ist Mick Jagger noch gleich…?